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Eine Zeit der Neuorientierung

Veröffentlicht am 22.05.2020

Abstand oder nicht - Maske oder nicht - alles übertrieben - alles viel zu locker.

Ich erlebe bei meinen Klienten und auch im Freundeskreis wie unterschiedlich sich jeder positioniert und wie schwierig es ist mit der Situation angemessen umzugehen.

Manche haben das Gefühl, es sei alles völlig übertrieben. Sie lassen sich nichts vorschreiben, und die Maske nervt sowieso. Man darf denen da oben nicht alles glauben, und die Vorschriften sind völlig willkürlich und konfus. Die Angst vor Einschränkung und Bevormundung, vor Übergriffigkeit spielt dabei sicherlich eine Rolle. Der Mensch möchten selbstbestimmt bleiben.

Die Einschränkungen fallen vielen schwer, gerade allein lebende und ältere Menschen leiden besonders unter der Kontaktarmut. Beziehungen sind wichtig für die Seele und das Herz, und davon bekommen wir im Moment viel zu wenig. Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen und schmoren regelrecht im eigenen Saft. Da kann einem schon mal alles zu viel werden, zu viel Abstand, zu viel Hygiene, zu viel Maske, zu viel Zuhause.

In meiner täglichen Meditationszeit geht es gerade um Widerstände während des Sitzens im Schweigen. Meditation ist nicht Entspannung und Gelassenheit, nicht ein Ruhen in sich selbst und ein klarer Blick nach vorn. Meditationszeit ist die Zeit, wo es ans Eingemachte geht, wo in der Stille all das zu Tage tritt, was im Alltagsgeschäft keinen Raum findet oder durch Freizeitunternehmungen und Ablenkungen nicht ins Bewusstsein kommt. Und plötzlich ist da diese Unruhe, Aggressionen vielleicht, plötzliches Weinen, Gedanken sofort aufspringen zu müssen, weil man dieses stille sitzen nicht mehr ertragen kann. Oder es fängt ganz klein an: ständiger Juckreiz, an der Nase, am Ohr, am Kopf. Oder Schmerzen am Knie, an der Schulter, im Rücken oder sonstwo. Der Drang sich bewegen zu müssen ist unerträglich.

Diese Situation beim Meditieren hat mir gezeigt, was gerade vielen Menschen Probleme bereitet. Da ist zu viel Stille, zu viel Bewegungslosigkeit, zu viel Ausharren. Der Drang sich bewegen zu wollen, ja zu müssen kann nicht mehr unterdrückt werden. Irgendetwas muss sich bewegen, oder im Oberstübchen knallt eine Sicherung raus. An irgendeiner Stelle muss etwas verändert werden. Der eine trägt nur eine Maske, wenn es sich nicht vermeiden lässt, der andere trifft sich mit Freunden und braucht den Abstand nicht mehr, wieder andere gehen demonstrativ auf die Straße, um dem Druck Luft zu machen.

Die Motivation ist sicher nicht bei allen die gleiche. Doch dieses auf sich selbst zurückgeworfen sein ist anstrengend, und manchmal brechen da Dinge auf, die man sich lieber nicht angesehen hätte, oder von denen man noch gar nicht wusste, dass es sie gibt.

Doch solche Zeiten bieten uns die einmalige Chance neu auf das eigene Leben zu schauen. Der Seele Raum geben, dass das ans Tageslicht, bzw. ins Bewusstsein kommt, was unterschwellig vielleicht schon lange belastet hat. Man konnte es nur nicht benennen, es war zu nebulös, nicht greifbar. Diese Lebensphase ist wie ein ruhiger glatter See. Vor kurzem noch gab es viele Schiffe und dergleichen auf dem Wasser, immer wieder wurde es aufgewühlt. Doch jetzt, da alles zur Ruhe gekommen ist, kann man bis auf den Grund sehen. Und dort ist die Antwort auf viele Fragen, die man vorher nicht gewagt hat zu stellen. Sich das in Ruhe anzuschauen ist eine Chance sein Leben neu zu sortieren. Endlich mal aufzuräumen, wie den vollen Kleiderschrank. Anschauen und die Dinge neu bewerten: nützt mir das noch oder belastet es nur. Ist es lebensfördernd oder lebensbehindernd. Und dann schauen, in aller Ruhe: was mache ich damit, wie gehe ich jetzt damit um? Was und wie kann ich etwas verändern?

Es ist ein Wagnis und erfordert Mut. Manchmal ist es vielleicht einfach auch nicht dran, aber es ist auf jeden Fall eine Chance.

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