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Interessantes

Heilung bedeutet, das der Mensch erfährt, was ihn trägt,

wenn alles andere aufhört ihn zu tragen.

Zitat von Wolfram von Eschenbach

 

Jeder wünscht sich Heilung. Heilung von Krankheit, Heilung von Schmerzen, Heilung von Trauer und Angst. Und es ist immer wieder schön, wenn der Mensch diese Heilung erfährt. Wenn er erfährt, dass es Therapien oder Medikamente gibt, die dem Leid, wie auch immer das aussieht, ein Ende bereiten.

 

Doch wie lebt der Mensch weiter, wenn es keine Heilung gibt. Wenn die Krankheit chronisch ist, wenn die körperliche Einschränkung bleibt, nicht heilbar ist, wenn man irgendwie damit leben muss. Oder, im schlimmsten Fall, wenn die Krankheit zum Tod führt. Was ist, wenn die Trauer um einen geliebten Menschen schwer wird, einfach nicht vergehen will? Was ist, wenn ein Lebenskonzept nicht mehr verwirklicht werden kann? Wenn ein Paar keine Kinder bekommen kann; wenn die gewünschte Berufsrichtung nicht verwirklicht werden kann; wenn es keine Ehe gibt oder eine Ehe geschieden wird?

 

Wie kann Heilung dann stattfinden?

 

Der erste Schritt ist meistens die Trauer. Viele Menschen beziehen Trauer nur auf den Tod, doch Trauern ist ein wichtiger Prozess, um Verlorengegangenes zu verabschieden. Ganz gleich, ob es sich um Kinderlosigkeit, Ehescheidung, Arbeitslosigkeit, oder unheilbare Krankheit handelt. Es geht nicht weiter. Ein Wunsch, eine Vorstellung von Leben wird nicht mehr verwirklicht werden können. Das ist immer ein Abschied, der betrauert werden muss. Trauern bedeutet, der Seele Raum zu geben, um Abschied zu nehmen. Auch, wenn der Kopf damit schon fertig ist. Die Seele braucht mehr, viel mehr Zeit.

 

Warten, bis die Seele nachgekommen ist

Eine Himalaya-Expedition war unterwegs nach Norden. Nachdem die Gruppe den ersten großen Pass überschritten und eine kurze Rast gemacht hatte, rief der Expeditionsleiter wieder zum Aufbruch. Dem leisteten aber die indischen Träger nicht Folge. Als ob sie nichts gehört hätten, blieben sie weiter auf ihren Planen hocken, die Augen am Boden, und schwiegen. Als der Europäer weiter in sie drang, schauten ihn einige Augenpaare verwundert an. Schließlich sagte einer: "Wir können nicht weitergehen, wir müssen warten, bis unsere Seelen nachgekommen sind!"                                  Indische Geschichte

 

Die Seele muss nachkommen. Denn sonst wird der Mensch verbittert. Er hadert mit seinem Schicksal und kann nicht vergeben. Diese Vergebung, oder sagen wir einmal, das Einverstanden sein oder Akzeptieren mit dem, was dem Menschen passiert ist, führt über die Trauer.

Trauer bedeutet nicht nur, weinen und ein Gefühl von traurig sein. Trauer bedeutet viel mehr: Wut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Leere, Schmerz, Schuld, Müdigkeit, Minderwertigkeitsgefühl, Selbstmitleid, Ruhelosigkeit, Schock. Diese Gefühle sind alle nicht besonders angenehm und der Mensch versucht, dem aus dem Weg zu gehen. Möglichst schnell weiter zu machen im Leben. Wegzudrücken, was da so hoch kommt, was Angst macht, womit man nicht umgehen kann oder will. Aber im Zulassen der Gefühle, die zu einem Trauerprozess gehören liegt eine große Befreiung. Im Ausleben und Erleben dieser Gefühle kann der Mensch sie besser hinter sich lassen. Sie sind nicht mehr irgendwo eingetütet und gären dort vor sich hin, um irgendwann unvermutet an die Oberfläche zu kommen.

Mut zur Trauer - das ist ein Weg zur Heilung. Die Trauer als Aufgabe zu betrachten, die vom Menschen bewältigt werden darf. Dadurch neue Seiten an sich zu entdecken und neue Perspektiven, die sich eröffnen. Die Wunde als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ansehen, die den Menschen formt und reifen lässt.

 

Heilung erfahren, indem der Mensch dann rückblickend erkennt, was ihn getragen hat und Mut macht auch zukünftige Abschiede durchzustehen.

Ulrike von Bothmer